Düsseldorf-Steckbrief: Martin Sonnensberger

Düsseldorf-Steckbrief: Martin Sonnensberger

Der Musiker und Filmemacher Martin Sonnensberger erzählt hier über eine Nacht mit Beuys und Heine, den einzig wahren Club und die beste Ramen-Suppe der Stadt.

Seit wann wohnst Du in Düsseldorf und was machst Du hier?

Ich wurde 1987 in Frankreich geboren, bin dann aber kurz danach mit meinen Eltern nach Düsseldorf gezogen. Also sind es schon 35 Jahre mittlerweile. Manche kennen mich als Musiker aus der Düsseldorfer Band Stabil Elite, deren Gründungsmitglied ich bin. Ich hatte schon immer Interesse an Film. Seit 2016 studiere ich  an der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM). Bin also sowohl Musiker als auch Filmemacher. Mich interessiert sehr beide ineinander greifen zu lassen und eben für meine eigenen filmischen Projekte, die entsprechenden Sound Landschaften zu bauen. Bislang gibt es ein Paar Musikvideos von mir und drei eigenständige Kurzfilmprojekte. Einen habe ich in Italien gedreht 2018, 2019 einen in Köln und mein letztes Projekt „The Letter“ befindet sich gerade in Postproduktion und wurde in Boston, Massachusetts gedreht. Dort war ich aufgrund eines Stipendiums im Rahmen meines Filmstudiums am Emerson College.

Was ist Dein Lieblingskulturort?

Das lässt sich kurz und knackig beantworten. Ich stolperte mit zarten 18 zum ersten Mal in den Salon des Amateurs am Grabbeplatz unter der Kunsthalle Düsseldorf. Dort tanzte ich dann viele Nächte durch, fand Freunde, erlebte dramatische Situationen und rief viele Projekte ins Leben. Leben eben. Im Salon finden sich die kreativen Düsseldorfs und Umgebung wieder.

Eine Sehenswürdigkeit oder Ort, den Du Besucher*innen gerne zeigst?

Ich hatte vor kurzem erst Besuch aus den USA da. Ich kann das gar nicht so konkret auf einen Ort reduzieren. Wir sind von Bilk über die Altstadt und den Rhein entlang bis Derendorf, wo ich wohne, gelaufen. Angefangen habe ich im Metropol Kino, wo ich noch nebenbei als Filmvorführer arbeite. Viele wissen gar nicht, dass das Metropol mit 82 Jahren Düsseldorfs ältestes Kino ist. Wenn man schon Mal da ist, sollte man nicht verpassen sich gleich oben in der „Süßen Erinnerung“ einen super leckeren Hafermilch-Cappuccino abzuholen. Abends würde ich dann wohl mal wieder in den Salon tanzen gehen. Ich finde abends im Winter ist auch die einen Blick wert.

Welches Kunstwerk steht für Dich sinnbildlich für Düsseldorf?

Ich bin kein großer Toten Hosen-Fan, aber in zunehmendem Alter weiß ich sie zu verorten. Dann wären da natürlich noch die Pioniere der elektronischen Musik Kraftwerk. Oder auch La Düsseldorf. Irgendwie Kraut, irgendwie elektronisch. Und bei La Düsseldorf ist dann noch so ein Klaus Dinger, der die Lock mit seinem Beat antreibt. Heute gibt’s da noch die Band Love Machine, die erst vor kurzem ihr neues Album „Alles OK“ rausgebracht haben. Da sollte man auch mal reingehört haben.

Welches Museum oder welche Galerie wolltest Du schon immer mal besuchen, hast es bis jetzt aber noch nicht geschafft?

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mehr solcher Einrichtungen besuchen sollte. Ich gehe ins K20 oder K21. Ansonsten ist man gerade wenn man selbst Kunstschaffender ist, ein wenig immun gegen Kunst. Das ist so Obelix mäßig. Man rennt fast zwei Dekaden von Vernissage zu Vernissage und irgendwann will man selber wissen, was man so drauf hat. Obwohl ich Musiker bin gehe ich nicht super gern auf Konzerte. Mich nervt, dass ich mitspielen will, aber nicht darf.

Welche Kulturinstitution in der näheren Umgebung kannst Du empfehlen?

Da gibt es in Düsseldorf einiges zu bieten. Kultur ist ein breites Wort. Ich würde auf jeden Fall jeder Person raten all unsere Altbiere zu kosten. Den Rhein entlang zu spazieren. Sich die Kunstakademie anzusehen, zumindest von außen. Seit der Pandemie ist es nicht mehr so leicht da einfach reinzulaufen. Einen Aperitif in der Zicke zu trinken, am Abend eines der zahlreichen Filmkunstkinos aufzusuchen und zu später Stunde den Salon des Amateurs. Kultur ist da wo Menschen sind. 

Mit welcher/welchem Kunstschaffenden aus Düsseldorfs reicher Historie würdest Du Dich gerne mal unterhalten?

Ich denke ein entspannter Abend mit ein Paar Drinks, Heinrich Heine und Joseph Beuys wäre sicher lustig. Dürfte ich noch eine Person allgemein dazu holen wäre das Jerry Garcia von Grateful Dead. Das wäre dann bestimmt extrem unterhaltsam.

Dein architektonisches Highlight Düsseldorfs?

Ist zwar nicht direkt in Düsseldorf, aber nicht weit weg: die Museumsinsel Hombroich von Tadao Ando. Ansonsten schwer zu sagen. Ich mag eigentlich moderne Ansätze, aber was in den letzten Jahren speziell in der Innenstadt gebaut wurde ist nicht so meins.

Was ist Dein Lieblingsviertel und warum?

Ich bin ein Derendorfer. Mein ganzes Leben habe ich in Derendorf gelebt, wenn ich nicht gerade auf Tour war. Dort bin ich mit zehn schon durch die Straßen gestreift. Das ist meine Hood. Wenn ich mal am Wochenende in den Salon oder allgemein in die Stadt will, mache ich mir gerne Musik auf die Kopfhörer und laufe komplett durch Derendorf über die Nordstraße Richtung Altstadt. Das hilft mir auch beim denken.

Den besten Kaffee der Stadt gibt es bei…?

Café Süße Erinnerung in Bilk.

Zum Abendessen mit Freund*innen gehst Du am liebsten wohin?

Ich gehe sehr gerne ins japanische Viertel rund um die Immermannstraße. Dort findet man wirklich sehr gute und authentische japanische und asiatische Restaurants. Speziell zu Takumi gehe ich gerne. Dort kann es auch gerne mal vorkommen, dass man draußen in einer Schlange auf einen Tisch wartet. Die Suppen sind der Wahnsinn. Wenn es ein bisschen schicker sein soll gehe ich gerne in die Brasserie Hülsmann in Oberkassel. Für einen kleinen Snack und Aperitif kann ich die Zicke in der Innenstadt unweit entfernt von der Rheinpromenade empfehlen. Für mich als Filmemacher sehr schön ist die Decke aus alten Filmplakaten.

Deine Lieblingsbar oder Club?

Erwähnte ich bereits den Salon?

Wo ist Düsseldorf am düsseldorfigsten?

Düsseldorf hat verschiedene Gesichter. Man findet eines vermutlich auf der Kö und ein anderes eher in den oben genannten Einrichtungen. Den gemütlichen, etwas verkopften gutmütigen Düsseldorfer.

Wo gehst Du zum Entspannen hin?

Nach Sizilien.

Was ist für Dich ein typisches Düsseldorfer Souvenir?

Tatsächlich wohl so’n Pott Senf aus dem Düsseldorfer Senfladen. Oder nen Killepitsch. Ansonsten muss das jeder für sich ausmachen. Ein Souvenir muss ja nicht zwingend greifbar sein

Welches Hotel kannst Du auswärtigen Gästen empfehlen?

Ich nutze meistens tatsächlich AirBnB für all meine Reisen. Da hat man die meiste Auswahl und da ich auch sehr gerne Koche ist es angenehm eine eigene Küche dann zu haben.

Dieser Beitrag ist gefördert durch REACT-EU.

Titelbild: Düsseldorf Tourismus


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