„Bilk ist aktuell zu einem gewissen Grad das Epizentrum des Jazz in Düsseldorf.“
Jazz City Bilk – Bilk? Der eine oder die andere mögen zunächst stutzen, dass ausgerechnet in Bilk zum zweiten Mal ein Jazz-Festival stattfindet. Tatsächlich kamen aber über 1.200 Zuschauer*innen im Mai 2024 zur ersten Ausgabe Jazz City Bilk. Marcel Clemens ist einer der Organisatoren des Musik-Events. Als Ende 2023 feststand, dass die Jazz Rally im folgenden Jahr ausfallen würde, regte sich in Bilk Widerstand. Ein Frühling ohne das weit über die Stadtgrenzen hinaus beliebte Festival schien den Bilker Jazz-Freund*innen undenkbar. Kurzerhand rief man das Projekt Jazz City Bilk ins Leben. Was bei der zweiten Ausgabe geplant ist, welche Kooperationen die Besucher*innen erwarten und inwiefern Streetart mit Jazz verknüpft ist, verrät Marcel im Interview.

Marcel, warum habt ihr euch entschieden, euer Festival ausgerechnet in Bilk zu platzieren? Was ist das Besondere an dem Stadtteil, insbesondere in Hinblick auf das Festival und Jazz?
Bilk ist bunt, von Kulturvielfalt geprägt und hat viele spannende Orte und Künstler*innen. Wo sonst gibt es beispielsweise die Verknüpfung von Jazz und Streetart? Darum zeigt unser Poster ein Motiv des Stencil-Art-Künstlers1 L.E.T., der sein Atelier in Bilk hat und den Stadtteil mit seiner Kunst seit Jahren mitprägt − ein gutes Beispiel für die Verknüpfung von Jazz mit anderen Kunstformen. Bilk ist aktuell zu einem gewissen Grad das Epizentrum des Jazz in Düsseldorf, aber viele Events konzentrieren sich eher auf das Stadtzentrum. Wir fanden die Idee spannend, etwas in einem Stadtteil zu organisieren, in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Bürger*innen und Anwohner*innen dieser Stadt.
1 Unter Stencil Art versteht man Streetart oder Graffiti, die mit Schablonen angebracht werden. Der wohl bekannteste Stencil Artist ist Banksy.
Die zweite Ausgabe des Jazz-City-Bilk-Festivals steht kurz bevor. Wie beschreibst du euer Konzept?
Unser Konzept sieht eine Verknüpfung von Jazz mit anderen Kunstformen vor, auch, um möglichst viele Kunstschaffende aus anderen Bereichen aktiv in Gestaltung und Umsetzung einzubinden.
Was erwartet die Besucher*innen in diesem Jahr? Welche Highlights und besondere Locations kannst du herausstellen?
Eins der Highlights ist sicherlich die Kooperation mit dem Ballett am Rhein. Seit Monaten stecken wir in den gemeinsamen Vorbereitungen und spüren die Motivation aller Beteiligten. Raphaël Coumes-Marquet, Direktor vom Ballett am Rhein, war sofort begeistert von der Idee einer Zusammenarbeit und man merkt, wie alle mit Freude an dem Projekt Die Frage der Zeit, in dem Jazz auf Tanz trifft, arbeiten.

Wie kam es überhaupt zu der Idee, das Festival ins Leben zu rufen – und wer steckt dahinter?
Düsseldorf wurde in der Vergangenheit aufgrund der großen Zahl an Jazz Clubs in der Altstadt Jazz City genannt. Letztes Jahr gab es noch drei Orte in Bilk, an denen regelmäßig Jazz geboten wurde, dazu kamen vereinzelte Konzerte in anderen Locations im Stadtteil. Die Grundidee war, durch das Festival etwas Gemeinsames auf die Beine zu stellen. Der Impuls ging dabei von dem ehemaligen Unverpacktladen Pure Note, dem Verein Jazz in Düsseldorf e. V. und dem Aachener Platz aus.
Peter Weiss ist künstlerischer Leiter von Jazz City Bilk. Welchen Hintergrund hat er, vor allem bezogen auf das Thema Jazz?
Peter Weiss ist seit Jahrzehnten einer der renommiertesten Jazzschlagzeuger in Deutschland und in der Szene extrem gut vernetzt. Er ist Mitinitiator und langjähriger Vorstandsvorsitzender des Vereins Jazz in Düsseldorf e. V, ohne den es die Jazz-Schmiede, die dieses Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum feiert, in der heutigen Form wahrscheinlich nicht geben würde. Zudem war Peter Weiss viele Jahre der künstlerische Leiter der Jazz Rallye. Die perfekte Besetzung also, was sich auch im Programm widerspiegelt.
Du selbst zeichnest für die Organisation des Festivals verantwortlich. Was verbindet dich mit dem Thema Jazz?
Durch die drei Jahre Kulturprogramm bei Pure Note habe ich viele Kontakte in die Jazz-Szene knüpfen können und bin häufig auf Sessions, auch im Umland, unterwegs. Ich gehe seit mindestens 15 Jahren regelmäßig in die Jazz-Schmiede, und jeder Städtetrip wird mit Besuchen der dortigen Jazz-Clubs verknüpft. Ich betrachte es als Geschenk, nun im Rahmen des Festivals mit all diesen Leuten zusammenarbeiten zu dürfen und möchte meine Kraft und Erfahrung dafür einsetzen, die lokale Szene zu unterstützen.

Wie ist der Stellenwert von Jazz in der heutigen Musiklandschaft?
Viele sind der Meinung, dass Jazz ein Nischenthema ist, verkennen aber, dass dieses Genre für Weltoffenheit und Individualität steht. Jazz existiert seit mehr als 100 Jahren, und in jeder größeren Stadt weltweit gibt es mindestens einen Club. Jazz ist wie eine internationale Sprache, die alle Kulturen verbindet und Einfluss auf viele andere musikalische Bereiche hat.
Wie sieht die Szene in Düsseldorf aus?
Düsseldorf hat mit der Jazz-Schmiede einen der deutschlandweit renommiertesten Jazz-Clubs und bietet ein Programm auf absolutem Top-Niveau. Das ist teilweise auch auf die geografische Nähe zu Essen und Köln mit ihren Hochschulen zurückzuführen.1 Dazu gibt es Orte wie das Café Sperrmüll auf dem Aachener Platz oder die Destille an der Bilker Straße, wo wöchentlich Jazz geboten wird. Auch Projekte wie Sebastian Gahlers Funky Vibes bereichern das hiesige Angebot.
1 Gemeint sind die Hochschule für Musik und Tanz in Köln und die Essener Folkwang Universität der Künste, die einen Studiengang Jazz anbietet.

Wie wurde die erste Edition eures Festivals angenommen? Und wie kann man sich das Publikum des Jazz City Bilk vorstellen?
Letztes Jahr sind wir mit einem Minibudget aus dem Topf der Bezirksvertretung des Stadtbezirks 3 gestartet.1 Fast alles wurde ehrenamtlich organisiert. Wir konnten ein paar Poster und Flyer drucken, aber mehr Geld stand neben dem Topf für die Gagen der Musiker*innen nicht zur Verfügung. Trotzdem hatten fast alle Veranstaltungen maximale Auslastung, und sofort kam die Frage nach einer Wiederholung auf. Insgesamt hatten wir bei der Premiere rund 1.200 Besucher*innen. Jetzt bekommen wir Unterstützung aus dem Kulturetat der Stadt Düsseldorf. Das eröffnet neue Möglichkeiten und wir sind dem Kulturamt sehr dankbar dafür.
1 Der Stadtbezirk 3 umfasst die Düsseldorf Stadtteile Oberbilk, Unterbilk, Bilk, Friedrichstadt, Hafen, Hamm, Volmerswerth und Flehe.
Und welche Neuerungen erwartet das Publikum im Vergleich zum letzten Jahr?
Das Programm ist umfangreicher geworden und so gestaltet, dass alle, die Musik mögen, auf ihre Kosten kommen. Über 30 Prozent der Veranstaltungen haben freien Eintritt. Außerdem bieten wir über unser Ticketing einen Button für 20 Euro an. Damit kann man fünf Events besuchen.
Text: Katja Vaders
Aufmacherfoto: Marcel Clemens & Raphaël Coumes-Marquet, Direktor des Ballett am Rhein (v.l.n.r.)
Alle Fotos: Presse/Jazz City Bilk

Info
Vom 15. bis 18. Mai findet zum zweiten Mal Jazz City Bilk statt. Von der Jazz-Schmiede über das Café Sperrmüll am Trödelmarkt Aachener Platz bis hin zur Buchhandlung BiBaBuze heißt es im ganzen Viertel: … and all that Jazz!
Ein paar Tipps von Mitveranstalter Marcel Clemens: „Bei hoffentlich gutem Wetter wird man auf der Außenbühne am Kirchplatz bestens unterhalten. Vor meinem geistigen Auge sehe ich eine große Latin Party und die Leute tanzen zur Musik von Rumba Gitana. Grammy-Gewinner Marian Petrescu und der kanadischen Gitarristin Jocelyn Gould sind in der Jazz-Schmiede zu sehen. Jünger und moderner wird es bei Cactus in a Garage in der Schleuse 2 des Bilker Bunker sowie bei Tiefenbroich Underground im Bürgerhaus Salzmannbau.“
Das gesamte Programm findet ihr unter jazzcitybilk.com.
(Wir bemühen uns um die Richtigkeit aller Angaben, können aber keine Gewähr übernehmen.)
