Ulrike Kähler steht an eine Backsteinwand gelehnt, im Areal Böhler.

Interview mit Ulrike Kähler, Managing Director Neonyt

„Düsseldorf vereint unheimlich viel Kreativität.“

Die Neonyt fand im Januar 2023 zum ersten Mal in Düsseldorf statt. Ulrike Kähler hat die Fachmesse für Eco & Fair Fashion ins Areal Böhler geholt. Mode wurde ihr bereits in die Wiege gelegt. Denn ihre Eltern führten mit „Ulrich & Ulrike“ ein bekanntes Düsseldorfer Kindermodengeschäft, das sie nach ihr und einem gleichaltrigen Freund der Familie benannt haben. Nach Kählers Ausbildung bei der Messe Düsseldorf und einem Ausflug in die Gastronomie samt eigenem Restaurant, leitet die umtriebige Powerfrau heute als Geschäftsführerin der Igedo Exhibitions die Modemessen Fashnrooms und Shoes. Hier ordern Händler*innen und Einkäufer*innen bereits jetzt die neuen Kollektionen für Herbst/Winter 2024/25. Mit der Neonyt widmet sich Ulrike Kähler einem Thema, das ihr und der Branche aktuell besonders am Herzen liegt: Nachhaltigkeit in der Mode. Zwischen dem harten Messebusiness und der schnelllebigen Modewelt geht die engagierte Geschäftsfrau gerne feiern und entspannt am liebsten in ihrer Heimat: dem idyllischen Norden von Düsseldorf.

Blick von unten, man sie den langen Schornstein, auf dem Areal Böhler steht, gen blauen Himmel ragen.
Seit Januar 2023 Heimat der Neonyt in Düsseldorf: das Areal Böhler. (Foto: Markus Luigs)

Ulrike, was sind deine ersten Erinnerungen an die Modewelt?
Ich bin quasi in die Mode hineingeboren worden. Zu meinen ersten Erinnerungen gehört, meine Hausaufgaben im Schaufenster zu machen. Meine Eltern führten sechs Modegeschäfte und da blieb uns Kindern nichts anderes übrig, als nach der Schule dort zu lernen und das Treiben in den Modeläden hautnah mitzuerleben.

Wolltest du nie in die Fußstapfen deiner Eltern treten?
Mein Wunsch war immer, etwas mit Mode zu machen, da mir diese Welt sehr viel Spaß gemacht hat. Aber ich wollte mehr, als „nur“ im Handel bleiben: nämlich alle Seiten der Mode kennenlernen. Ich wollte mit Mode kommunizieren, Mode neu entdecken und kuratieren. Nach meinem Abitur habe ich also eine Ausbildung bei der Messe Düsseldorf gemacht und acht Jahre im VIP-Service gearbeitet, was mir heute sehr zugute kommt. Dann bin ich ganz raus aus der Messewelt und habe mit meinem damaligen Partner ein großes Restaurant in Baden-Württemberg eröffnet. Mein Umfeld hat damals den Kopf geschüttelt, dass ich einfach so ein etabliertes Unternehmen verlassen konnte. Aber ich war immer schon sehr umtriebig. Zweieinhalb intensive, anstrengende Jahre in der Gastronomie haben mich gelehrt, wie man Kund*innen vollends zufrieden stellen kann. Ich habe mich stets für Dienstleistung begeistert und das auch gelebt.

Messestand von dem nachhaltigen Label Wunderwerk.
In 2024 wieder dabei: Wunderwerk, die Düsseldorfer Eco & Fair Fashion Brand. (Foto: Neonyt)

Heute stehst du mit Philipp Kronen an der Spitze der Igedo – welche Bedeutung hat das Messeunternehmen für die Stadt Düsseldorf?
Die Igedo feiert dieses Jahr ihr 75-jähriges Bestehen. Die „Interessengemeinschaft Damenoberbekleidung“, so der ursprüngliche Name, wurde Im Jahr 1949 von 21 Unternehmen gegründet, die gemeinsam Mode präsentieren wollten. Zu ihren Hochzeiten hat die Igedo mit sechs Modemessen und Modenschauen insgesamt 16 Hallen gefüllt – diese Größenordnung muss man sich heute mal vorstellen. Wir hatten damals mit der CPD hier in Düsseldorf die weltgrößte Modemesse. Ich habe vor 18 Jahren bei der Igedo angefangen und selbst alle Höhen und Tiefen der Modebranche hautnah miterlebt. Mittlerweile sind wir vom Messegelände in das Areal Böhler als Veranstaltungsort gewechselt und planen mit einem kleinen, agilen, sehr tollen Team jedes halbe Jahr drei Modemessen.

Wie kann man sich deine Arbeit als Messeleiterin vorstellen?
Als Messemacher*innen sind wird unserer Zeit voraus. Wenn eine Modemesse beginnt, arbeiten wir bereits an der nächsten. Ich fliege quer durch Europa und kuratiere kleine Brands und plane das Messeprogramm wie etwa Trendvorträge. Bis eine Modemesse mal steht, mit allen Ständen und Quadratmetern, das ist schon ein herausfordernder 24/7-Job. Ich sage immer: Man muss ihn entweder mit vollem Herzen und viel Hingabe machen – oder man lässt es lieber.

Ulrike Kähler in der Messehalle der Böhlerwerke.
Noch steht Ulrike Kähler in der wie leer gefegten Messehalle im Areal Böhler. (Foto: Markus Luigs)

Bleibt dir bei dem Pensum überhaupt Raum für Freizeit?
Das fragen mich tatsächlich viele Menschen. Meine beiden erwachsenen Kinder stehen für mich an Nummer eins, wir nehmen uns Zeitfenster und fahren am Wochenende raus in die Natur. Ich gehe aber auch gerne richtig feiern, als Pendant zu zwölf Stunden im Büro. Ich bin gerne unterwegs, habe gerade erst am Wochenende zwei schöne Karnevalsveranstaltungen in Düsseldorf besucht. Es bleibt nicht viel Zeit, aber die nutze ich intensiv. Meine zweite Familie ist die Igedo. Ich gehe jeden Tag mit großer Begeisterung zur Arbeit.

Mit der Neonyt hast du eine Messe für nachhaltige Mode nach Düsseldorf gebracht. Wie wichtig ist dieses Thema – für dich persönlich und die gesamte Branche?
Als wir vor einem Jahr die Neonyt erstmals in Düsseldorf veranstaltet haben, war Nachhaltigkeit bereits in aller Munde. Mir war klar: Wir brauchen unbedingt eine Plattform für nachhaltige Mode in Düsseldorf. Für Kollektionen, die nachhaltige Ansätze verfolgen und dennoch modisch sind. Wir zeigen auf der Neonyt viele kleine Marken und Start-ups, die oft noch keine großen Businesspläne haben, aber ganz tolle Ideen und dringend gesehen werden müssen. Ich wünsche mir, dass das Thema Nachhaltigkeit bei den Endverbraucher*innen weiter an Bedeutung gewinnt.

Inklusive Talkrunde im Rahmen der Prepeek.
Nachhaltigkeit impliziert Diversität und Inklusion. Während der Neonyt findet das Networking-Event Prepeek in einem separatem Bereich statt. Dazu gehören Talkrunden, in denen Content Creator*innen, Designer*innen und andere Fachleute relevante Themen erörtern. (Foto: Neonyt)

Was macht Mode in deinen Augen nachhaltig?
Für mich persönlich bedeutet Nachhaltigkeit in der Mode, dass ich meinem Stil treu bleibe und hochwertige, langlebige sowie zeitlose Kleidung kaufe, die zudem lange im Schrank bleibt. Ich gehe nicht jeden Trend mit und trage auch nicht jede Farbe. Lieber investiere ich in Produkte mit Qualität, die ich über viele Jahre anders kombinieren kann. Durch die Neonyt habe ich eine Menge nachhaltige Brands kennen und lieben gelernt. Auch meine 27-jährige Tochter lebt sehr nachhaltig und inspiriert mich Tag für Tag mit Ideen – ganz gleich ob in Sachen Ernährung, Mode oder Reisen.

Aufnahme von der gut gefüllten Messehalle, man sieht Messebesucher:innen und Stände.
Wo Ulrike Kähler noch in der leeren Messehalle stand, sind während der Neonyt Fachbesucher*innen unterwegs. (Foto: Neonyt)

Was macht Düsseldorf zur Modestadt?
Die Stadt vereint unheimlich viel Kreativität. Sie genießt einen Ruf als internationale Shopping Destination. Sie ist nicht groß, unglaublich gut zu erreichen und hat neben der Königsallee viele schöne und spannende Ecken mit kreativen Geschäften zu bieten. Düsseldorfer*innen sind fröhliche, freundliche Menschen, die Mode einfach gerne leben – ob auf der Kö oder in den kreativen kleinen Boutiquen in Pempelfort, Flingern und Unterbilk.

Du bezeichnest dich als Düsseldorferin mit Leib und Seele. Was schätzt du an der Stadt?
Der Norden Düsseldorfs ist meine Heimat, da bin ich groß geworden, dort steht mein Elternhaus. Ich lebe in Kaiserswerth und liebe lange Spaziergänge am Rhein. Ich bin aber auch gerne mitten im Trubel am Carlsplatz, laufe die Hohe Straße oder Lorettostraße entlang und entdecke mit Vorliebe kleine Seitenstraßen. Das Beste an Düsseldorf ist: Ich brauche nicht lange von A nach B und kann alles zu Fuß erlaufen.

Wo kannst du dich in der Stadt am besten entspannen und abschalten?
Definitiv in Kaiserswerth. Ich kann hier aufs Rad steigen, habe den Rhein vor der Tür und ein hübsches, idyllisches Stadtviertel, in dem ich alles bekomme, was ich brauche. Ansonsten bin ich sehr gerne in Derendorf und Pempelfort, vor allem auf der Nordstraße und in ihren kleinen Seitenstraßen. Ich bewege mich gerne abseits der Stadtmitte.

Wo kaufst du als Modeexpertin am liebsten ein?
In Kaiserswerth gibt es einen schönen Laden namens Süßstoff, der hübsche kleine Dinge im Sortiment hat. Dort kaufe ich gerne Accessoires. Generell kaufe ich in Geschäften und sehr wenig online. An der Nordstraße schätze ich die kleinen Boutiquen. Manche Inhaberin weiß mittlerweile genau, was mir gefällt und mir passt, und ruft mich an, wenn neue Ware eingetroffen ist. Wenn ich etwas für einen besonderen Anlass suche, finde ich das auch mal bei Breuninger.

Wo gehst du gerne essen?
Auf dem Areal Böhler ist das Rigatoni & Riesling − ein Italiener, den ich sehr gerne besuche. Es gibt hervorragendes Essen, tolle Weine und eine wunderbare Atmosphäre. Eine absolute Entdeckung für mich ist das Malinas auf der Tannenstraße mit seiner köstlichen polnischen Küche. Es ist innen schön eingerichtet, bunt gemischt mit netten Menschen, und ich bekomme dort auch mal ganz spontan einen Tisch. Die Tannenstraße hat sich generell in den letzten Jahren sehr gut entwickelt und ist mein absoluter Geheimtipp in Düsseldorf.

Weitere Informationen unter neonyt-duesseldorf.com

Interview: Karolina Landowski
Fotos: Markus Luigs & Pressefotos Neonyt


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