{"id":13400,"date":"2025-03-07T15:10:06","date_gmt":"2025-03-07T14:10:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.visitduesseldorf.de\/storys\/?p=13400"},"modified":"2025-12-15T11:51:41","modified_gmt":"2025-12-15T10:51:41","slug":"mithu-sanyal-schriftstellerin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/2025\/03\/07\/mithu-sanyal-schriftstellerin\/","title":{"rendered":"Feminismus f\u00fcr alle \u2013 Ein Austausch mit Mithu Sanyal, Schriftstellerin &amp; Kulturwissenschaftlerin"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-tmweb-content-container\">\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u201eNiemand soll es schlechter gehen, damit es mir bessergeht, sondern wir m\u00fcssen gemeinsam die Strukturen ver\u00e4ndern.\u201c<\/h3>\n\n\n\n<p>Wir haben Mithu Sanyal getroffen. P\u00fcnktlich zum Weltfrauentag am 8. M\u00e4rz. Schon als kleines M\u00e4dchen tr\u00e4umte Mithu Sanyal davon, Schriftstellerin zu werden. Zun\u00e4chst promovierte sie jedoch als Kulturwissenschaftlerin, arbeitete als Journalistin und schrieb zwei vielbeachtete Sachb\u00fccher, bevor sie ihren ersten Roman \u201eIdentitti\u201c ver\u00f6ffentlichte. Dieser wurde f\u00fcr den Deutschen Buchpreis nominiert, wie \u00fcbrigens auch ihr zweiter Bestseller \u201eAntichristie\u201c, der im vergangenen Herbst 2024 erschien. Wie es ist, sich seinen Kindheitstraum zu erf\u00fcllen und warum sie glaubt, dass der Weltfrauentag auch heute noch von gro\u00dfer Wichtigkeit ist, erz\u00e4hlt uns die Feministin Mithu Sanyal in einem Gespr\u00e4ch.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1621\" height=\"1080\" src=\"https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_ProfilTischKOPIE-1621x1080.jpg\" alt=\"Mithu Sanyal im Profil, sie sitzt bei sich in der K\u00fcche an einem Tisch.\" class=\"wp-image-13406\" srcset=\"https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_ProfilTischKOPIE-1621x1080.jpg 1621w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_ProfilTischKOPIE-300x200.jpg 300w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_ProfilTischKOPIE-768x512.jpg 768w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_ProfilTischKOPIE-1536x1023.jpg 1536w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_ProfilTischKOPIE-2048x1364.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1621px) 100vw, 1621px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Mithu, du bist nicht nur Feministin und erfolgreiche Schriftstellerin, sondern auch Kulturwissenschaftlerin, Journalistin und arbeitest beispielsweise f\u00fcr den WDR und die taz. Wie bist du zur Literatur gekommen?<\/strong><br>Ich habe schon immer Literatur gemacht. Anfang der 1990er Jahren hatte ich mit anderen jungen Autor*innen die Literaturgruppe \u201eOffenbar 6\/7\u201c ins Leben gerufen. Wir haben das gemacht, was sp\u00e4ter Social Beat und noch sp\u00e4ter Spoken Word genannt wurde. Damals hatte ich eine sehr sch\u00f6ne Kurzgeschichte in einem Sammelband ver\u00f6ffentlicht und kurz darauf auch eine Agentin. Die Verlage sagten seinerzeit aber: \u201eDanke, wir haben schon eine Inderin.\u201c Damit meinten sie die sehr bekannte Schriftstellerin und Aktivistin Arundhati Roy.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dein erstes Buch war dementsprechend keine Belletristik, sondern das Sachbuch \u201eVulva\u201c.<\/strong><br>Genau. Als ich meine Doktorarbeit \u00fcber die Kulturgeschichte der Vulva schrieb, hatte ich keine Lust f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung zu bezahlen. Ich suchte mir einen Verlag f\u00fcr eine \u00fcberarbeitete, popul\u00e4rwissenschaftliche Fassung, die dann bei Wagenbach erschien. \u201eVulva\u201c war definitiv ein publizistischer Erfolg, der sich f\u00fcr ein Sachbuch in einem kleinen Verlag gut verkaufte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dein zweites Buch \u201eVergewaltigung\u201c war ebenfalls sehr pr\u00e4sent, aber polarisierte \u2026<\/strong><br>Zun\u00e4chst wollte niemand das Buch ver\u00f6ffentlichen. Die Verlage hatten gro\u00dfe Ber\u00fchrungs\u00e4ngste. Es gab zwei Knackpunkte: Zum einen habe ich das damals noch omnipr\u00e4sente Konzept, dass das Opfer nach einer Vergewaltigung f\u00fcr immer gebrochen sein muss, in Frage gestellt. \u2212 Wohlgemerkt, ich nehme Trauma sehr ernst, aber es ist auch wichtig \u00fcber Heilung zu sprechen. \u2212 Das andere Problem f\u00fcr die Verlage war, dass ich auch \u00fcber m\u00e4nnliche Opfer geschrieben habe. Als \u201eVergewaltigung\u201c dann doch Anfang 2016 bei Nautilus erschien, gab es sofort den Bezug zu den sexuellen \u00dcbergriffen an Silvester 2015\/2016 in K\u00f6ln. Bei meinen Lesungen ging es pl\u00f6tzlich nur noch um Asylpolitik \u2013 und ich wurde immer wieder als Expertin im Fernsehen befragt. Es gibt manchmal Koinzidenzen: Man schreibt \u00fcber ein Thema, das auf einmal politisch brisant ist und in meinem Fall, pl\u00f6tzlich hoch rassistisch aufgeladen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"661\" height=\"1080\" src=\"https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_CoverIdentitti-661x1080.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13404\" srcset=\"https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_CoverIdentitti-661x1080.jpg 661w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_CoverIdentitti-184x300.jpg 184w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_CoverIdentitti-768x1254.jpg 768w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_CoverIdentitti-940x1536.jpg 940w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_CoverIdentitti.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 661px) 100vw, 661px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u201eIdentitti\u201c ist der erste Roman von Mithu Sanyal.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"669\" height=\"1080\" src=\"https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_Cover_AntiChristie-669x1080.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13403\" srcset=\"https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_Cover_AntiChristie-669x1080.jpg 669w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_Cover_AntiChristie-186x300.jpg 186w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_Cover_AntiChristie-768x1240.jpg 768w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_Cover_AntiChristie-951x1536.jpg 951w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_Cover_AntiChristie.jpg 1100w\" sizes=\"auto, (max-width: 669px) 100vw, 669px\" \/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Unser Interview erscheint zum Weltfrauentag. Was denkst du als Feministin \u00fcber diesen Tag? Ist er heutzutage noch relevant?<\/strong><br>Ich liebe den Weltfrauentag, der urspr\u00fcnglich ins Leben gerufen wurde, um das Wahlrecht f\u00fcr alle zu erk\u00e4mpfen. Es gab damals auch ganz viele M\u00e4nner, die nicht w\u00e4hlen durften. Ich bin aber nicht nur Feministin, sondern arbeite zu vielen anderen Themen wie Rassismus und Postkolonialismus. F\u00fcr mich geh\u00f6rt das alles zusammen. Der Weltfrauentag als ein historischer, j\u00e4hrlich wiederkehrender Tag ist ein wichtiger journalistischer Anlass, noch einmal genau hinzuschauen, was sich im vergangenen Jahr ver\u00e4ndert hat. Denn: Das Patriarchat unterdr\u00fcckt uns ja alle in unterschiedlichster Form. Es gibt lediglich ein paar wenige Gewinner.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du glaubst also, dass auch M\u00e4nner unter dem Patriarchat zu leiden haben?<\/strong><br>Ja, nat\u00fcrlich. M\u00e4nner sind zwar in den obersten Einkommensklassen \u00fcberdurchschnittlich h\u00e4ufig vertreten, aber auch unter Drogenabh\u00e4ngigen, Suizidtoten, Wohnungslosen oder in Gef\u00e4ngnissen. Selbst diejenigen, die auf den ersten Blick vom Patriarchat profitieren, m\u00fcssen dazu erst einmal ihre Pers\u00f6nlichkeit beschneiden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie meinst du das?<\/strong><br>Es gibt viele Studien dar\u00fcber, dass wir unsere S\u00f6hne seltener in den Arm nehmen als unsere T\u00f6chter, dass wir weniger mit ihnen reden, dass sie gesellschaftlich weniger W\u00e4rme bekommen. Das hei\u00dft nicht, dass M\u00e4nner die eigentlichen Opfer sind, sondern dass das Patriarchat sich auf alle auswirkt. Nur halt in unterschiedlicher Form und wir wissen einfach viel mehr \u00fcber die Auswirkungen des Patriarchats auf Frauen, weil Feministinnen da sehr viel Forschungsarbeit geleistet haben.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1621\" height=\"1080\" src=\"https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_Stillleben01-1621x1080.jpg\" alt=\"Stillleben von Mithu Sanyals K\u00fcchentisch. Man sieht einen Kaffeebecher, in dem Stifte stehen und Tomaten. \" class=\"wp-image-13407\" srcset=\"https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_Stillleben01-1621x1080.jpg 1621w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_Stillleben01-300x200.jpg 300w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_Stillleben01-768x512.jpg 768w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_Stillleben01-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_Stillleben01-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1621px) 100vw, 1621px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Wie bist du zum Feminismus gekommen?<\/strong><br>Meine Mutter hatte Krebs, als ich elf Jahre alt war, und hat sich danach viel mit Komplement\u00e4rmedizin besch\u00e4ftigt. Daher sind wir immer in einen Frauenbuchladen gegangen, weil es dort B\u00fccher der Frauengesundheitsbewegung gab, esoterische Ratgeber, politische Theorie, alles nebeneinander. Und so bin ich als junge Frau zum Feminismus gekommen. Es war eine unglaubliche Erleichterung f\u00fcr mich zu begreifen, dass mir als Frau gewisse Dinge nicht deshalb zustie\u00dfen, weil ich irgendwie falsch war, sondern weil es strukturelle Probleme gab. Und diese Strukturen wollte ich ver\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir haben jetzt \u00fcber Mithu Sanyal als Journalistin und Feministin gesprochen. Seit einigen Jahren bist du aber auch als Bestsellerautorin bekannt. Wie kam es dazu?<\/strong><br>Wie gesagt: Ich wollte schon als Kind Literatur schreiben, noch bevor ich schreiben konnte. Ich erinnere mich daran, dass meine Mutter mir Enid Blyton vorgelesen hat, und ich dachte: Das will ich auch, also Geschichten erz\u00e4hlen; nur war der Buchmarkt nicht f\u00fcr meine Geschichten offen. Und so hat es gedauert, bis ich im Jahr 2020, also im Alter von knapp 50 Jahren, \u201eIdentitti\u201c ver\u00f6ffentlichte \u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2026 das auf Anhieb sehr erfolgreich war.<\/strong><br>Dabei bot es meine Agentin zun\u00e4chst mehreren Verlagen an, die das Buch zwar gut fanden, es aber f\u00fcr unverk\u00e4uflich hielten. Bis Florian Kessler, Lektor beim Hanser Verlag, sich schlie\u00dflich traute, es zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>In \u201eIdentitti\u201c geht es um eine junge Frau mit indischen Wurzeln, die in D\u00fcsseldorf an der Heinrich-Heine-Universit\u00e4t studiert. Wieviel Mithu Sanyal steckt in deiner Hauptfigur Nivedita?<\/strong><br>Ich bin doppelt so alt wie Nivedita. \u201eIdentitti\u201c ist eindeutig kein autobiografischer Roman. Er spielt aber in dem Milieu, in dem ich gro\u00dfgeworden bin. Und besch\u00e4ftigt sich mit Auseinandersetzungen, die ich mein Leben lang f\u00fchrte. Alle denken, es ist ein Buch \u00fcber Cultural Appropriation, weil die andere Hauptfigur vorgibt, eine Inderin zu sein. Aber f\u00fcr mich ist das Thema \u201eGrowing Up Mixed Race in Germany\u201c. Neben der Verarbeitung meiner pers\u00f6nlichen Reflektionen habe ich als Journalistin und Wissenschaftlerin zus\u00e4tzlich viel Recherche eingebracht.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1620\" height=\"1080\" src=\"https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_Buecher01-1620x1080.jpg\" alt=\"B\u00fccher im B\u00fccherregal von Mithu Sanya. \" class=\"wp-image-13402\" srcset=\"https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_Buecher01-1620x1080.jpg 1620w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_Buecher01-300x200.jpg 300w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_Buecher01-768x512.jpg 768w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_Buecher01-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_Buecher01-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1620px) 100vw, 1620px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Der Roman hat ein sehr modernes Konzept, du arbeitest in \u201eIdentitti\u201c zum Beispiel mit Tweets, die als Kommunikationsmittel zwischen den Leser*innen und der Au\u00dfenwelt fungieren.<\/strong><br>Ja, und der Witz ist: Viele denken, dass ich total Social-Media-affin bin. Dabei kann ich nicht einmal auf meinem Handy tippen. (Lacht.) Daher habe ich echte Menschen gebeten, f\u00fcr mich die Tweets zu schreiben, die im Buch zu lesen sind. Und das ist wohl tats\u00e4chlich eine literarische Innovation. Ansonsten steht mein Roman eher in der Tradition des angels\u00e4chsischen Storytellings. Es gibt also Figuren mit Namen und Backstories, es gibt einen Plot, der von Dialogen getrieben wird, und vor allem relativ viel Humor.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gibt es keinen Humor in deutscher Literatur?<\/strong><br>Nat\u00fcrlich gibt es den, man muss nur Heinrich Heine lesen. Aber seit der Nachkriegsliteratur wurde Humor mit Misstrauen betrachtet, nach dem Motto: Ist das echte Literatur, wenn es Spa\u00df macht, sie zu lesen? Ich finde, es ist eine merkw\u00fcrdige Doppelung, \u00fcber ernsthafte Themen in ernsthafter Form zu schreiben. Gerade, wenn ich emotional tief gehe, muss ich stilistisch dagegen steuern, damit es nicht Melodrama wird. Ich wollte vielmehr eine Form finden, in der es genug Brechungen gibt, um emotional folgen zu k\u00f6nnen und sich begeistert mit einem Thema auseinanderzusetzen, mit dem man sich sonst vielleicht nicht besch\u00e4ftigen m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Im letzten Herbst erschien dein zweiter Roman \u201eAntichristie\u201c. Worum geht es da?<\/strong><br>Das Buch spielt zum gr\u00f6\u00dften Teil in London und beginnt im Jahr 2022 zum Tod der Queen, springt dann aber zur\u00fcck ins Jahr 1906, ins India House, das vordergr\u00fcndig ein Boarding House f\u00fcr indische Studenten in London war, in dem allerdings de facto indische Revolution\u00e4re Bomben bauten \u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dieses Mal gibt es offenbar keinen pers\u00f6nlichen Bezug.<\/strong><br>Ich habe noch nie Bomben gebaut, aber trotzdem habe ich eine emotionale N\u00e4he zu dem Thema. Alte Freunde meines Vaters haben sich am Freiheitskampf beteiligt, obwohl sie Kinder waren, als Indien unabh\u00e4ngig wurde. Ich kenne die ganzen Auseinandersetzungen \u00fcber politische Gewalt aus der Linken. Und ich konnte mich immer daran festhalten, dass wir den richtigen, den gewaltfreien Widerstand mit Gandhi gemacht haben. Deshalb war es f\u00fcr mich so ein Schock herauszufinden, dass es ebenfalls bewaffneten Widerstand in Indien gab.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"720\" height=\"1080\" src=\"https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_ProfilHaareKOPIE-720x1080.jpg\" alt=\"Mithu Sanyal im leichten Profil streicht sich die Haare aus dem Gesicht.\" class=\"wp-image-13405\" srcset=\"https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_ProfilHaareKOPIE-720x1080.jpg 720w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_ProfilHaareKOPIE-200x300.jpg 200w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_ProfilHaareKOPIE-768x1152.jpg 768w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_ProfilHaareKOPIE-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_ProfilHaareKOPIE-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250307_Mithu_ProfilHaareKOPIE-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Mithu Sanyal: <strong>\u201e<\/strong>Literatur wird definitiv eine Rolle bei der Rettung der Welt spielen, weil sie weitere, diversere Stimmen h\u00f6rbar macht \u2013 und da bin ich nur eine von ganz vielen.<strong>\u201c<\/strong><\/figcaption><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Wir leben gerade insgesamt in sehr herausfordernden Zeiten. Wie blickst du in die Zukunft?<\/strong><br>Ich verzweifle nicht, weil es unsere politische Aufgabe ist, nicht zu verzweifeln, weil wir sonst unsere Kraft den Rechten geben. Ich gehe davon aus, dass am Ende alles gut wird, sonst ist es nicht das Ende. Das ist ein Zitat von Oscar Wilde. Literatur wird definitiv eine Rolle bei der Rettung der Welt spielen, weil sie weitere, diversere Stimmen h\u00f6rbar macht \u2013 und da bin ich nur eine von ganz vielen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aber eine sehr pr\u00e4sente: Deine beiden Romane \u201eIdentitti\u201c und \u201eAntichristie\u201c wurden f\u00fcr den Deutschen Buchpreis nominiert. Wie f\u00fchlt es sich an, wenn ein Kindheitstraum pl\u00f6tzlich in Erf\u00fcllung geht?<\/strong><br>Erfolg mit Anfang 50 ist besser zu verarbeiten als mit Mitte 20. Inzwischen habe ich meinen Alltag, die Kinder \u2013 und dann kommt halt das Fernsehen vorbei und filmt dich ein bisschen. (Lacht.)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lass uns zum Ende unseres Gespr\u00e4chs noch einmal auf den Weltfrauentag zur\u00fcckkommen. Glaubst du, dass man ihn irgendwann vielleicht nicht mehr braucht?<\/strong><br>Ich habe einen Sohn und eine angeheiratete Tochter \u2013 und ich war ziemlich schockiert, wie beide Kinder mit Geschlechterbildern zu k\u00e4mpfen hatten. Meine Generation ist noch in dem Glauben aufgewachsen, Jungs seien die Gewinner der Geschlechterlotterie, aber das ist und war noch nie so. Manche meinen, Feminismus bedeutet, dass M\u00e4nner etwas abgeben m\u00fcssen, damit Frauen mehr bekommen. Aber so ist es nicht! Niemand soll es schlechter gehen, damit es mir besser geht, sondern wir m\u00fcssen gemeinsam die Strukturen ver\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein sehr sch\u00f6nes Schlusswort, Mithu. Dennoch habe ich noch eine Frage: Du lebst und arbeitest schon seit vielen Jahren in Oberbilk. Welche sch\u00f6nen Orte kannst du in deinem Viertel empfehlen?<\/strong><br>Ich mag die marokkanischen L\u00e4den, denn hier bekommt man das beste Gem\u00fcse und den frischesten Fisch. Au\u00dferdem liebe ich den <a href=\"https:\/\/www.visitduesseldorf.de\/storys\/2025\/03\/11\/6-gruene-ecken\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Volksgarten<\/a>, der mir wieder geistige Gesundheit gibt. Und nat\u00fcrlich den Bauernmarkt, der jeden Donnerstag am Lessingplatz stattfindet, aber leider immer kleiner wird. Vielleicht kommen mehr H\u00e4ndler*innen, wenn auch wieder mehr Menschen dort einkaufen? Das w\u00fcrde ich mir w\u00fcnschen!<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr Informationen zum <a href=\"https:\/\/www.lpb-bw.de\/08-maerz-frauentag\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Weltfrauentag<\/a>. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Text:<\/strong> Katja Vaders<br><strong>Fotos:<\/strong> Uwe Kraft<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview<\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":13420,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[694,696,693,697,695],"class_list":["post-13400","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kunst-kultur","tag-feministin","tag-literatur","tag-mithu-sanyal","tag-oberblilk","tag-schriftstellerin"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v24.3 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Feminismus f\u00fcr alle \u2013 Ein Austausch mit Mithu Sanyal, Schriftstellerin &amp; Kulturwissenschaftlerin - D\u00fcsseldorf Storys<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Wir haben Mithu Sanyal getroffen. 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