{"id":839,"date":"2020-05-07T13:32:00","date_gmt":"2020-05-07T13:32:00","guid":{"rendered":"\/storys\/?p=839"},"modified":"2024-07-30T09:05:24","modified_gmt":"2024-07-30T07:05:24","slug":"musik-visionar-aus-duesseldorf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/2020\/05\/07\/musik-visionar-aus-duesseldorf\/","title":{"rendered":"Nachruf: Was Florian Schneider f\u00fcr D\u00fcsseldorf bedeutet"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-tmweb-content-container\">\n<h1>&#8222;Musik-Vision\u00e4r&#8220; aus D\u00fcsseldorf<\/h1>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Unser Guide der Tour &#8222;The Sound of D\u00fcsseldorf&#8220; erinnert sich an Florian Schneider von Kraftwerk<\/h2>\n\n\n\n<p>Zum ersten Mal begegnete ich Florian Schneider auf einer Kassette. Die hatte mir mein Onkel aufgenommen und sich dabei ordentlich M\u00fche gegeben, hatte er doch das Originalcover, damals noch nicht farbig fotokopiert und m\u00fchsam verkleinert. Es war die Platte \u201eKraftwerk\u201c aus dem Jahr 1970 und ganz besonders das St\u00fcck \u201eVom Himmel hoch\u201c gefiel mir als Kind besonders gut. Man h\u00f6rt, aufgenommen vom legend\u00e4ren Produzenten Conny Plank, zun\u00e4chst m\u00e4chtig verhallte Ger\u00e4usche und einen kaum einzuordnenden Klangteppich akustischer und nur zum Teil elektrischer Instrumente, der sich im Verlauf des insgesamt 10 Minuten und 12 Sekunden langen St\u00fcckes zu einem wahren Inferno entwickelt. <\/p>\n\n\n\n<p>Akustisch werden dort, so vermutete ich als Kind, Fliegerangriffe simuliert, die sich schlie\u00dflich zu einem treibenden Rhythmus entwickeln, der sp\u00e4ter im St\u00fcck m\u00e4chtig Dampf macht und passabel tanzbar ist. Der mit der Kassette beschenkte Neffe war sieben Jahre alt, und damit eigentlich viel zu jung, um zu verstehen, was er da in H\u00e4nden hielt. Es war nicht allein der Humor, der diesem fr\u00fchen St\u00fcck der Band zu Grunde liegt. Es war die legend\u00e4re Platte selbst, die den orange-wei\u00df gestreiften Verkehrspylon, das Erkennungszeichen der Gruppe Kraftwerk schlechthin, auf dem Cover tr\u00e4gt. Klappt man das Doppelcover auf, so sieht man dort eine Schwarzwei\u00dffotografie eines Transformators, der seine elektrische Spannung in die Kupferleitungen pumpt. Die Fotografie ist von Bernd und Hilla Becher und verdeutlicht bereits im Jahr 1970, wie intensiv der Austausch der bildenden Kunst im Umfeld der D\u00fcsseldorfer Kunstakademie und der neuen Musikszene aus D\u00fcsseldorf war. <\/p>\n\n\n\n<p>Und betrachtet man heute, 50 Jahre sp\u00e4ter, das kleine, ebenfalls im Inneren des Covers abgedruckte Foto von Florian Schneider-Esleben, so staunt man einmal mehr: Schneider spielt auf dem Foto Querfl\u00f6te und sollte das Instrument, das er in den 1960er Jahren am Robert-Schumann-Konservatorium seiner Heimatstadt studiert hatte, doch nur wenige Jahre sp\u00e4ter f\u00fcr immer zur Seite legen, um aufzubrechen in neue Klangwelten und dabei einer der weltweit einflussreichsten Elektronikmusiker zu werden. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-tmweb-content-container\">\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-0 wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"810\" height=\"1080\" src=\"\/storys\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/The_Sound_of_Duesseldorf-06-810x1080.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-843\" srcset=\"https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/The_Sound_of_Duesseldorf-06-810x1080.jpg 810w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/The_Sound_of_Duesseldorf-06-225x300.jpg 225w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/The_Sound_of_Duesseldorf-06-768x1024.jpg 768w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/The_Sound_of_Duesseldorf-06.jpg 1125w\" sizes=\"auto, (max-width: 810px) 100vw, 810px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1500\" height=\"1000\" src=\"\/storys\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/The_Sound_of_Duesseldorf-17.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-842\" srcset=\"https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/The_Sound_of_Duesseldorf-17.jpg 1500w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/The_Sound_of_Duesseldorf-17-300x200.jpg 300w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/The_Sound_of_Duesseldorf-17-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1440\" height=\"1080\" src=\"\/storys\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/unbenannt-0116-1440x1080.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-868\" srcset=\"https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/unbenannt-0116-1440x1080.jpg 1440w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/unbenannt-0116-300x225.jpg 300w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/unbenannt-0116-768x576.jpg 768w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/unbenannt-0116-1536x1152.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1440px) 100vw, 1440px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption\"><em>Spielen wir heute auf unserer musikalischen Stadtf\u00fchrung \u201eThe Sound of D\u00fcsseldorf\u201c ihr St\u00fcck \u201eDas Modell\u201c an der D\u00fcsseldorfer K\u00f6nigsallee, so bleiben auch die internationalen G\u00e4ste stehen und lauschen dem zeitlosen elektronischen Pop made in D\u00fcsseldorf.<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Florian Schneider w\u00e4chst als Sohn des Architekten Paul Schneider-Esleben auf. Der baute nicht nur den K\u00f6ln-Bonner Flughafen, sondern schuf auch in seiner Heimatstadt wegweisende Architektur. Etwa das Mannesmann-Hochhaus am D\u00fcsseldorfer Mannesmann-Ufer. Knapp 90 Meter hoch und mittlerweile unter Denkmalschutz gestellt, lieferte der Bauherr einst selbst zum Teil das Material f\u00fcr den Bau des bereits 1958 fertiggestellten Hochhauses. Und schon mit dem Entwurf der gl\u00e4sernen Haniel-Garage an der Schl\u00fcterstra\u00dfe, fertiggestellt im Jahr 1953 und das erste Parkhaus und Motel Deutschlands nach dem Krieg, hatte der renommierte Architekt die deutsche Tradition der klassischen Moderne weiterentwickelt und internationalen Ruhm erlangt. Ein famili\u00e4res Umfeld, das Schneider nachhaltig beeinflussen sollte, stand seine Familie doch stets auch in Kontakt mit den f\u00fchrenden, international bekannten K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern der Zeit.<br><br>Gemeinsam mit seinem Studienfreund Ralf H\u00fctter machte sich Schneider schlie\u00dflich auf, die bis dahin entstandene Musik umzust\u00fcrzen und v\u00f6llig neu zu denken. Immer elektronischer wurden die Folgeplatten, Autobahn, Radio-Aktivit\u00e4t, Trans Europa Express, immer k\u00fchler die&nbsp; \u00c4sthetik. Avantgarde aus D\u00fcsseldorf. Und auch die Musiker nahmen \u2013 was ihr Aussehen betrifft \u2013 eine deutliche Wandlung. Trugen Sie auf den fr\u00fchen Fotos die Haare noch lang, so sahen sie bereits Mitte der 1970er Jahre eher aus wie Beamte und brachen sp\u00e4testens zu diesem Zeitpunkt endg\u00fcltig mit der musikalischen Tradition und dem akustischen Diktat aus Gro\u00dfbritannien und \u00dcbersee. <\/p>\n\n\n\n<p>Nicht allein ihre Texte waren in deutscher Sprache eingesungen, das gesamte Auftreten der fortan immer schweigsamer werdenden Band mutete an wie aus der Zeit gefallen, die Musiker wie dennoch extrem progressive deutsche Ingenieure. Der Mut zum klanglichen Experiment, der immer gr\u00f6\u00dfer werdende Fuhrpark elektronischer, zum gr\u00f6\u00dften Teil selbstgebauter Instrumente, der vision\u00e4re Ansatz, Musik nicht allein akustisch, sondern als komplexes Konzept zu inszenieren, und nicht zuletzt auch die konzentrierte Kreativit\u00e4t der Musiker Schneider und H\u00fctter machten die Band schlie\u00dflich bis heute zu einem Gesamtkunstwerk.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr musikalischer Minimalismus&nbsp; wurde zum Schema und war auf lange Sicht \u00e4u\u00dferst pr\u00e4gend, beeinflussten sie doch mit ihrem Stil ganze Musikergenerationen. So wurden ihre Rhythmen etwa in der New Yorker Hip-Hop-Szene erstmals gesampelt, auch f\u00fcr den Early-Techno, der ab Mitte der Achtzigerjahre in Detroit entstand, war die Band Kraftwerk eine wesentliche Inspiration. Das erkl\u00e4rte Ziel Kraftwerks lautete sp\u00e4testens mit Erscheinen des 1978er Albums \u201eDie Menschmaschine\u201c, ihre Musik nicht nur streng und formal zu deklinieren, vor allem die Entsubjektivierung ihres Werkes wurde den Musikern zunehmend wichtig. <\/p>\n\n\n\n<p>Dazu geh\u00f6rte auch, die eigentlich recht passable Singstimme H\u00fctters mit immer komplexeren, vocodisierten Stimmpassagen zu unterf\u00fcttern und umweben. Insbesondere Schneider war es, der fieberhaft daran arbeitete &#8211; mit elektronischen Mitteln und sp\u00e4ter computergest\u00fctzt &#8211; die menschliche Stimme zu entmenschlichen und die Grenzen zwischen Mensch und Maschine neu auszuloten. Und dennoch: Florian Schneider blieb seiner Heimatstadt D\u00fcsseldorf als leibhaftige Person stets treu. Nicht nur aufgrund des bereits Ende der 1960er Jahre an der Mintropstra\u00dfe, und damit inmitten des Rotlichtbezirks eingerichteten KlingKlang-Studios, in dem die Musiker bis in die sp\u00e4ten 1990er Jahre hinter verschlossenen T\u00fcren und in der N\u00e4he des Hauptbahnhofes arbeiteten. <\/p>\n\n\n\n<p>Hier in D\u00fcsseldorf empfing Schneider auch seine internationalen G\u00e4ste \u2013 etwa David Bowie und Iggy Pop, die nach eigener Aussage ma\u00dfgeblich durch den Sound vom Rhein inspiriert wurden. Von hier aus entsandte die Band um Florian Schneider bis in die j\u00fcngste Zeit schlie\u00dflich auch ihre einflussreichen und wegweisenden Signale in die musikalische Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Spielen wir heute auf unserer musikalischen Stadtf\u00fchrung \u201e<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.duesseldorf-tourismus.de\/erleben\/kunst-und-kultur\/the-sound-of-duesseldorf\" target=\"_blank\">The Sound of D\u00fcsseldorf<\/a>\u201c ihr St\u00fcck \u201eDas Modell\u201c an der D\u00fcsseldorfer K\u00f6nigsallee, so bleiben auch die internationalen G\u00e4ste stehen und lauschen dem zeitlosen elektronischen Pop made in D\u00fcsseldorf.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Besondere: So scheu Florian Schneider mitunter erschien, so pr\u00e4sent war er dennoch im D\u00fcsseldorfer Stadtbild. Man traf ihn mittags am Carlsplatz auf eine Erbsensuppe oder auf einen Espresso im Caff\u00e8 Enuma an der Suitbertusstra\u00dfe in Bilk. Und manchmal verschenkte Florian Schneider bei einer dieser kurzen Begegnungen sogar ein L\u00e4cheln. Man nickte sich anschlie\u00dfend stumm zu und ging erneut getrennter Wege. Stets in der Gewissheit, sich bald einmal wiederzusehen. Wenige Tage nach seinem 73. Geburtstag am 7. April 2020 verstarb Florian Schneider an den Folgen einer kurzen Krebserkrankung. <\/p>\n\n\n\n<p>Fotos: Markus Luigs<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Sven-Andr\u00e9 Dreyer<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":859,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-839","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kunst-kultur"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v24.3 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Nachruf: Was Florian Schneider f\u00fcr D\u00fcsseldorf bedeutet - D\u00fcsseldorf Storys<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"&quot;Musik-Vision\u00e4r&quot; aus D\u00fcsseldorf. 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