{"id":9119,"date":"2023-02-07T10:00:43","date_gmt":"2023-02-07T10:00:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/?p=9119"},"modified":"2024-07-26T17:44:33","modified_gmt":"2024-07-26T15:44:33","slug":"interview-mit-selim-varol","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/2023\/02\/07\/interview-mit-selim-varol\/","title":{"rendered":"Interview mit Selim Varol"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-tmweb-container-grey\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-tmweb-container-grey\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-tmweb-content-container\">\n<div class=\"wp-block-group is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<h2 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\">\u201e<strong><em>Ohne Kunst sind wir alle am Arsch.\u201c<\/em><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Magst du uns zur Einleitung kurz ein paar S\u00e4tze zu dir sagen? Wie hei\u00dft du? Wo kommst du her und was machst du?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin Selim und komme aus D\u00fcsseldorf. Ich bin als Gastgeber und als Unternehmer t\u00e4tig. Aber vor allem bin ich J\u00e4ger und Sammler.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Inwieweit unterscheiden sich nach deiner Meinung Arbeiten f\u00fcr \u201eda drau\u00dfen\u201c im Vergleich zu der Arbeit f\u00fcr Galerien und andere Innenr\u00e4ume?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, also es gibt nicht nur Unterschiede in den Werken, es gibt auch Unterschiede bei den K\u00fcnstler*innen. Es gibt K\u00fcnstler*innen, die sind Anti-Kunstmarkt, die wollen gar nicht in die Galerien in den Museen rein. F\u00fcr sie geh\u00f6rt die Kunst auf die Stra\u00dfe, und die Verg\u00e4nglichkeit geh\u00f6rt auch dazu.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann gibt es nat\u00fcrlich K\u00fcnstler*innen, die sagen, um die Kunst \u201eda drau\u00dfen\u201c schaffen zu k\u00f6nnen und meinen Lebensunterhalt bestreiten zu k\u00f6nnen, ben\u00f6tige ich auch die Galerie. Das gibt dem Kunstmarkt wieder eine Rolle.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Also es geht eigentlich um das Thema der Finanzierung der Kunst. Wer finanziert die K\u00fcnstler*innen, die im \u00f6ffentlichen Raum ihre Arbeit machen? Klar k\u00f6nnen sie ihren Namen nehmen, einen Tag machen und ihr Revier markieren. Das kennen wir in D\u00fcsseldorf zum Beispiel von NEU oder ONG. Das ist die reine, urspr\u00fcngliche Form des Graffiti, des \u201eTaggens\u201c.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist nicht das, was von der Masse als Kunst, als Street-Art gesehen wird. Die K\u00fcnstler*innen, die gro\u00df und bunt ihren Namen spr\u00fchen, gehen auf \u201eDondi White\u201c zur\u00fcck. Der New Yorker war der erste K\u00fcnstler, der Ende der Siebziger das Style-Writing erfunden hat.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann gibt es die Leute, die Kunst auf der Stra\u00dfe machen, also weg von Graffiti, hin zur Street \/ Urban-Art, die auch andere Materialen und Techniken nutzen als die Dose.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt sehr verschiedene Modelle von Finanzierungsmodellen f\u00fcr K\u00fcnstler*innen. Manche verkaufen Leinw\u00e4nde eigentlich nur, um eine Wand zu machen. Sie haben da speziell was im Blick, wo sie unbedingt malen wollen. Ein Projekt, das sich K\u00fcnstler*innen dann mit dem Verkauf eines Kunstwerkes finanzieren. Ohne dass sie f\u00fcr diese Wand, die ja unverk\u00e4uflich ist, jemals wieder finanziell entlohnt werden. Viele K\u00fcnstler*innen finanzieren per se ihr ganzes Studio durch Verk\u00e4ufe von Unikaten und Kunsteditionen mit oder ohne Galerien. Andere nutzen die Werke im \u00f6ffentlichen Raum nur als Werbeplattform.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt da mannigfaltige Geschichten, gerade jetzt auch im Bereich digitale Kunst. Aber f\u00fcr mich ist immer das Storytelling hinter der Arbeit und den K\u00fcnstler*innen der Punkt, auf den es mir ankommt. Und das funktioniert meist nur mit dem haptischen Werk. Kunst auf der Stra\u00dfe finde ich gut, aber sie ist nun mal verg\u00e4nglich. In der Sammlung funktionieren nat\u00fcrlich nur Sachen, die man auch kaufen, archivieren und somit auch wieder ausstellen kann.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber es muss auch nicht immer die Galerie, das Museum oder die Stra\u00dfe sein. Mit What\u2018s Beef in D\u00fcsseldorf und Frankfurt habe ich f\u00fcr mich einen gastronomischen Ansatz gefunden, die Kunst den Menschen n\u00e4her zu bringen. Das Motto hier: Street-Art meets Street-Food.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was motiviert dich, Kunst auszustellen und so anderen Menschen zug\u00e4nglich zu machen und sie zu begeistern?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich die Geschichten dahinter zu erz\u00e4hlen. Ich sammle in erster Linie Geschichten. Und was bei mir dazu kommt, ist einfach, dass ich nat\u00fcrlich auch die Geschichte meines Lebens dadurch erz\u00e4hle.<\/p>\n\n\n\n<p>Und das Ausstellen und Kuratieren ist vor allem meine Leidenschaft, weil ich dadurch Geschichten teilen kann. Und nicht nur Geschichten zu teilen, sondern nat\u00fcrlich auch die der Menschen hinter dem*der K\u00fcnstler*in weiterzuverbreiten. Und das ist die allererste Aufgabe. Es geht gar nicht um mich als Sammler, sondern es geht um die K\u00fcnstler*innen, die man zeigt, um deren Projekte und deren Message weiterzuleiten. Und da freue ich mich immer, wenn meine Sammlung dann auch mal ans Tageslicht kommt und auch eine B\u00fchne bekommt, auf der sie Menschen erleben k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kunst im urbanen Raum ist verg\u00e4nglich und oftmals nur f\u00fcr kurze Zeit sichtbar. Inwiefern ist das reizvoll f\u00fcr dich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Verg\u00e4nglichkeit wird Teil des Werkes, in dem es \u00fcbermalt, beklebt oder sonst wie durch Fremdeinwirkung ver\u00e4ndert wird. Und ich finde das auch teilweise gut, denn so kann man Fl\u00e4chen mehrmals bespielen. Aber Papier wirkt eben auch. Gerade zum Beispiel bei einem K\u00fcnstler wie JR mit seinem Inside Out Project, welches das gr\u00f6\u00dfte Kunstprojekt der Welt geworden ist. Da war ja auch das NRW-Forum zur Er\u00f6ffnung der Ausstellung komplett mit Portraits der Beteiligten eingekleistert. Der Verg\u00e4nglichkeitsprozess fing schon nach einer Woche an und nach zwei Wochen war fast alles schon weg. Das ist auch sch\u00f6n zu sehen. Nichts ist f\u00fcr die Ewigkeit. Das geh\u00f6rt dann bei der Kunst und auch im Leben mit dazu.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was verbindest du mit D\u00fcsseldorf?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Da gibt es nat\u00fcrlich ein paar K\u00fcnstler*innen, die in D\u00fcsseldorf f\u00fcr mich eine Rolle spielen, wie \u201eMagic\u201c. Einer der ersten in der Graffitiriege. Au\u00dferdem Ben Mathis, L.E.T., Oliver R\u00e4ke oder Klaus Klinger oder Andy und seine Hood Company, DER Graffiti Shop in D\u00fcsseldorf, der \u00fcber viele Jahre einen sehr engen Kontakt zur lokalen und internationalen Szene aufgebaut hat. Die ber\u00fchmt ber\u00fcchtigten Zwillinge aus Brasilien \u2013 \u201eOs G\u00eameos\u201c haben durch ihn eine zweite Heimat in D\u00fcsseldorf gefunden. So gibt es das Strom-H\u00e4usschen am Hermannplatz, das Riesen-Mural in Oberbilk, und sie kommen dieses Jahr wieder. Sie geh\u00f6ren mittlerweile zum Stadtbild von D\u00fcsseldorf.<\/p>\n\n\n\n<p>Und&nbsp;\u2026ein bisschen lauter ist jetzt nat\u00fcrlich auch meine Sammlung, nach der Ausstellung im NRW-Forum\/Kunstpalast. Das war echt wichtig und wir haben da echt was bewegt. Es ist die erfolgreichste Ausstellung unter der aktuellen Leitung, die das NRW-Forum jemals hatte. Am Ende werden es sicherlich mehr als 60.000 Besucher*innen sein. Das ist sch\u00f6n zu sehen. Denn auch das verbreitet die Message der Kunst und der K\u00fcnstler*innen. Und es ist auch f\u00fcr mich gerade nicht nur in D\u00fcsseldorf so gro\u00dfartig, nach drei Jahren Corona-Tunnelblick so ein buntes Bouquet auszustellen, bei dem f\u00fcr jede*n etwas dabei ist. Es ist eben nicht nur die hochgestochene Kunst. Der kuratorische Ansatz, den wir mit Alain Bieber ausgearbeitet haben, war der, dass die Ausstellung f\u00fcr jeden nahbar ist. Und das ist, finde ich, wirklich das Allerwichtigste. Dass jeder einen Zugang findet. \u00dcber 30&nbsp;% unter 18 Jahren. Gesch\u00e4tzte 20 % mit Migrationshintergrund, das gab\u2019s noch nie in Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<p>In D\u00fcsseldorf gibt es auch eine sehr junge Szene. Es gibt ganz viele Neue, die dazukommen. Aber auch Namen, die schon sehr lange dabei sind. Ich k\u00f6nnte nicht anfangen, Namen aufzuz\u00e4hlen, es fehlen dann immer wieder wichtige.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gibt es etwas Letztes, was du gerne noch loswerden m\u00f6chtest?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber das Sammeln von Spielzeug und Popkultur bin ich zur Kunst gekommen. Egal welches Medium ein*e K\u00fcnstler*in benutzt, am Anfang und am Ende ist das Wichtigste: die Idee.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir brauchen alle die Inspiration der K\u00fcnstler*innen, und ich finde, ohne Kreativit\u00e4t, also ohne Kunst sind wir alle am Arsch. Das ist wirklich etwas, das jede*r verstehen muss. Ohne den kreativen Ansatz in der Kunst, ohne die Umsetzung von Ideen, egal ob im Visuellen oder im Text, geht es nicht weiter mit der Menschheit. Ohne den kreativen Austausch wird auch die Wirtschaft nicht in der Lage sein, sich weiter zu entwickeln und der Ursprung jeder Weiterentwicklung ist der kreative Ansatz, ist die Kunst.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Bei jeder F\u00fchrung, die ich bisher in meiner Ausstellung gemacht habe, sage ich: \u201eKunst ist das Wichtigste, was wir haben.\u201c Und das kann man in dem Kontext vielleicht noch hinterher sagen: Ich pers\u00f6nlich sehe Kunst als wichtigstes Schulfach, und vielleicht sogar als das Wichtigste auf unserer Welt \u00fcberhaupt. Die Kunst ist das Fundament unserer Existenz.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Danke, dass du dir die Zeit genommen hast!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dein Instagram:<\/strong><br><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/toykio\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.instagram.com\/toykio\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Deine Website: <br><\/strong>Mehr zu Wonderwalls Ausstellung: https:\/\/www.duesseldorf-tourismus.de\/veranstaltungskalender\/wonderwalls-art-toys-2bd7fd18de<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Beitrag ist gef\u00f6rdert durch REACT-EU.<a href=\"whatsapp:\/\/send?text=Interview%20mit%20mad_c1%20-%20D%C3%BCsseldorf%20Storys%20https%3A%2F%2Fwww.duesseldorf-tourismus.dehttps%3A%2F%2Fwww.duesseldorf-tourismus.de%2Fstorys%2F2023%2F01%2F18%2Finterview-mit-mad_c1%2F\"><\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":15,"featured_media":9120,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[21,4],"tags":[],"class_list":["post-9119","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-interviews","category-kunst-kultur"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v24.3 - 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