{"id":9560,"date":"2023-05-03T08:00:00","date_gmt":"2023-05-03T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/?p=9560"},"modified":"2024-07-26T17:26:53","modified_gmt":"2024-07-26T15:26:53","slug":"interview-mit-kunie-und-takao-baba","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/2023\/05\/03\/interview-mit-kunie-und-takao-baba\/","title":{"rendered":"\u201eJetzt sind es pl\u00f6tzlich schon 46 Jahre, seitdem wir aus Tokio das erste Mal hergeflogen sind.\u2019\u2019"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-tmweb-content-container\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\">\u201eJetzt sind es pl\u00f6tzlich schon 46 Jahre, seitdem wir aus Tokio das erste Mal hergeflogen sind.\u2019\u2019<\/h1>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Interview mit Kunie und Takao Baba<\/h2>\n\n\n\n<p>Familie Baba wohnt seit fast 50 Jahren in D\u00fcsseldorf. Wir konnten Kunie Baba (79) und ihren Sohn Takao Baba (49) im D\u00fcsseldorfer Schauspielhaus interviewen. Im Gespr\u00e4ch erz\u00e4hlen sie uns, wie sie nach D\u00fcsseldorf kamen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mittlerweile ist eure Familie in der 3. Generation in D\u00fcsseldorf. Wie kam es zur Entscheidung von Tokio nach D\u00fcsseldorf zu ziehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kunie:<\/strong> Mein Mann hatte hier in D\u00fcsseldorf eine GmbH gekauft und aus diesem Grund sind wir nach D\u00fcsseldorf gezogen, als Takao erst sechs Monate alt war. Es war auch eigentlich gar nicht geplant, dass wir l\u00e4nger als ein paar Jahre in der Stadt bleiben \u2013 und jetzt sind es pl\u00f6tzlich schon 46 Jahre, seitdem wir aus Tokio das erste Mal hergeflogen sind. *lacht* Ich f\u00fchle mich immer noch sehr wohl hier. In Japan waren wir aber trotzdem immer wieder regelm\u00e4\u00dfig, um Familie zu besuchen. Mir war das auch wichtig, dass meine Kinder fr\u00fch anfangen, japanisch zu erlernen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Takao:<\/strong> Da ich schon mit sechs Monaten nach Deutschland kam, war das als Kind auch immer ein ziemlich nahtloser Switch zwischen den Kulturen und Sprachen. Ich kannte es gar nicht anders: Ich war auf deutschen Schulen, bin aber jedes Jahr in den Sommerferien nach Japan zu unseren Gro\u00dfeltern geflogen. Da zu der Zeit im Sommer die Ferien in Japan noch nicht so fr\u00fch losgingen wie bei uns, bin ich dann dort immer noch ein paar Tage zur japanischen Schule gegangen. So hatte ich bei vielen Trends, die langsam aus Japan nach Deutschland kamen, immer einen fr\u00fchen Einblick, wie bei Mangas und Videospielen. Jedenfalls habe ich so diesen kulturellen Wechsel immer wieder erlebt. Zu Hause haben wir ja sowieso japanisch gesprochen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich im Teenager-Alter mit dem Hip-Hop Tanz begann, wurde mir bewusst, dass es durchaus von Vorteil war, schon im Kindesalter solch unterschiedliche Kulturen erlebt zu haben. Denn bei den Tanzkursen bin ich mit vielen weiteren Kulturen aus aller Welt in Kontakt gekommen. Gerade in urbanen Tanz-Richtungen ist das auch totaler Standard, dass du immer wieder mit Menschen aus den verschiedensten Kulturkreisen zusammenarbeitest.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du bist ja nun schon seit mehreren Jahrzehnten aktiv in der Tanzszene, sowohl als T\u00e4nzer und Choreograph, aber auch im Aufbau der Szene und der Organisation von Events. Wie kamst du damals zum Tanz?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Takao:<\/strong> Durch einen Zufall ist mir in der Schule in der 4. Klasse, 1984, ein Rap-Mixtape von einem Klassenkameraden in die H\u00e4nde gefallen. Murat hatte damals schon bei der ersten gro\u00dfen Trend-Welle Breakdance zu \u201aBreak Machine\u2018 getanzt. So hab ich dann auch meine ersten Versuche gewagt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kunie:<\/strong> Ich wei\u00df noch ganz genau: In der Zeit war irgendwann pl\u00f6tzlich im Garten ein Loch in der Erde und ich konnte mir nicht erkl\u00e4ren, wie das dahin gekommen war. Dann sah ich, dass Takao immer und immer wieder \u201aHeadspin\u2018 im Garten \u00fcbte. So unerm\u00fcdlich, dass er sich quasi fast in den Gartenboden gedreht hatte. *lacht* Ich fand es immer schon ganz toll, dass Takao die Dinge so leidenschaftlich angeht, f\u00fcr die er brennt. Ich war selbst lange Ballet-T\u00e4nzerin und kann seine Begeisterung f\u00fcr den Tanz deshalb gut nachvollziehen. Heute bin ich Yoga-Lehrerin am Tanzhaus NRW.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Takao:<\/strong> Als wir 2004 hier in D\u00fcsseldorf angefangen haben, Events zu veranstalten, um die Szene zu vergr\u00f6\u00dfern und zu vernetzen, gab es hier so gut wie nichts vor Ort an urbanem Tanz, au\u00dfer das Tanzhaus NRW. Paris war damals schon viel weiter, was das angeht. Wir hatten einen Kontakt zu den Veranstaltern des \u201aJuste Debout\u2018 \u2013 das war DAS europ\u00e4ische Tanz-Battle Event. Dadurch wurden wir dann die Ersten, die in D\u00fcsseldorf die verschiedenen urbanen Tanzrichtungen auf einer Veranstaltung vereinten. Das Juste Debout Germany war das Vorentscheid-Event f\u00fcr Paris.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gab beim Juste Debout Paris Arenen mit teils bis zu 16.000 Besucher*innen \u2013 also eine echt gro\u00dfe Sache. T\u00e4nzer*innen aus dem Breakdance, Popping, Locking, House-Dance, Krump, Funkstyle, Hip-Hop etc. wurden hier zusammengebracht. Diese Stile waren zwar vereinzelt auf kleineren Events, sogenannten \u201aJams\u2018 schon vertreten, aber nicht so gro\u00df zusammengef\u00fchrt wie bei uns. Mit dem T\u00e4nzer Amigo von der Crew \u201aFlying Steps\u2018 habe ich dann das \u201aFunkin\u2018 Stylez\u2019 Event in D\u00fcsseldorf kreiert, das war die erste gro\u00dfe eigenst\u00e4ndige Veranstaltung in der Stadt. Durch den internationalen Wettstreit bei diesem Battle-Event z. B. zwischen den Tanz-Crews aus Deutschland, Belgien und Frankreich hat sich das Niveau \u00fcber ca. zehn Jahre lang st\u00e4ndig weiterentwickelt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1620\" height=\"1080\" src=\"https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/DU23F01_KB_kl-1620x1080.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9563\" srcset=\"https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/DU23F01_KB_kl-1620x1080.jpg 1620w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/DU23F01_KB_kl-300x200.jpg 300w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/DU23F01_KB_kl-768x512.jpg 768w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/DU23F01_KB_kl-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/DU23F01_KB_kl.jpg 1771w\" sizes=\"auto, (max-width: 1620px) 100vw, 1620px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1620\" height=\"1080\" src=\"https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/DU23F01_TB_kl-1620x1080.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9562\" srcset=\"https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/DU23F01_TB_kl-1620x1080.jpg 1620w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/DU23F01_TB_kl-300x200.jpg 300w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/DU23F01_TB_kl-768x512.jpg 768w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/DU23F01_TB_kl-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/stories.duesseldorf-tourismus.de\/storys\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/DU23F01_TB_kl.jpg 1772w\" sizes=\"auto, (max-width: 1620px) 100vw, 1620px\" \/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Gab es zwischen deiner Arbeit als Choreograph und T\u00e4nzer und deiner deutsch-japanischen Herkunft irgendwann Momente der Verbindung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Takao:<\/strong> Ich war immer wieder als Erwachsener in Japan und im Austausch mit japanischen Tanz-Crews. Die japanischen Tanz-Crews waren uns gef\u00fchlt immer ein gutes St\u00fcck voraus. Sowohl was die Anzahl an talentierten T\u00e4nzer*innen anging, das Level als auch die Gr\u00f6\u00dfe und Popularit\u00e4t der Events. Es war f\u00fcr mich immer schon ein Traum, mit japanischen Veranstaltern zu kollaborieren. Irgendwann haben wir dann eine Kooperation angefangen und beim j\u00e4hrlichen D\u00fcsseldorfer Japan-Tag hier den Vorentscheid f\u00fcr das Dance Delight in Japan abgehalten, ein riesiges Tanz-Event seit 1994. Die Gewinner*innen hier vor Ort durften dann nach Japan fliegen und sich dort beweisen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gibt es f\u00fcr euch Orte in D\u00fcsseldorf, an denen ihr besonders stark die japanische Kultur als erlebbar empfindet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kunie:<\/strong> Das EKO-Haus in D\u00fcsseldorf Niederkassel ist schon etwas Besonderes. Bevor es 1993 er\u00f6ffnet wurde, gab es dort schon in der Gegend recht viele japanische Einwohner*innen. Die Atmosph\u00e4re der Tempelanlage und des japanische Gartens sind wirklich sch\u00f6n.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Takao:<\/strong> Innerhalb der Anlage dort befindet sich auch ein japanischer Kindergarten, den meine Kinder besucht haben. Ich glaube, sowohl f\u00fcr Japaner*innen als auch f\u00fcr deutsche und internationale Besucher*innen ist das ein besonderer Ort \u2013 schon allein optisch. Ansonsten nat\u00fcrlich die unz\u00e4hligen Restaurants. Heutzutage nimmt man das als so selbstverst\u00e4ndlich hin, dass es hier so eine F\u00fclle an authentischen Adressen daf\u00fcr gibt. Als meine Mutter hier 1979 ankam, sah das noch ganz anders aus!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kunie:<\/strong> Genau, das Nippon-Kan war das erste japanische Restaurant in D\u00fcsseldorf und lange auch das Einzige, glaube ich. Kikaku kam dann sp\u00e4ter dazu, aber bis zu den 90er-Jahren war das Angebot in D\u00fcsseldorf noch lange nicht so gro\u00df wie heute. Mittlerweile gibt es beide Restaurants leider nicht mehr, daf\u00fcr aber viele andere und eine riesige Bandbreite.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Takao:<\/strong> Neben den ganzen authentischen asiatischen Superm\u00e4rkten, Restaurants und L\u00e4den sind es f\u00fcr mich auch kleine Dinge im Alltag: Ich bin die meiste Zeit meines Lebens zu nicht-japanischen Friseur*innen gegangen. Die haben sich aber wirklich jedes Mal verschnitten und ich war nie zufrieden! Die asiatische Haar-Struktur ist ja doch etwas anders als &nbsp;bei europ\u00e4ischen Haaren\u2026 vielleicht lag es auch daran. Irgendwann hab ich erfahren, dass es tats\u00e4chlich sogar japanische Friseur-Salons hier in D\u00fcsseldorf gibt. Seitdem bin ich absoluter Stammkunde. Ansonsten auch so Kleinigkeiten wie die japanischen B\u00e4ckereien, wo das Brot ein St\u00fcck fluffiger ist und es etwas anderes S\u00fc\u00dfgeb\u00e4ck gibt.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Titelbild: D\u00fcsseldorf Tourismus<\/p>\n\n\n\n<p>Titelbild und Beitrag sind gef\u00f6rdert durch REACT-EU.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":14,"featured_media":9561,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[21,4,255],"tags":[],"class_list":["post-9560","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-interviews","category-kunst-kultur","category-little-tokyo"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v24.3 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>\u201eJetzt sind es pl\u00f6tzlich schon 46 Jahre, seitdem wir aus Tokio das erste Mal hergeflogen sind.\u2019\u2019 - D\u00fcsseldorf Storys<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Familie Baba wohnt seit fast 50 Jahren in D\u00fcsseldorf. 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